Mit regionalem Saatgut zu mehr Blütenvielfalt
LPV wertet Waldwiese im Rahmen des Projekts „Blütenvielfalt – RegioProD“ auf
Mit vielen helfenden Händen hat der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis Ende August eine Waldwiese in der Gemarkung Orb ökologisch aufgewertet. Im Rahmen des bundeslandübergreifenden Projekts Blütenvielfalt RegioProD wurden dazu regionales Saatgut und Mahdgut einer artenreichen Wiese auf die bislang artenarme Fläche ausgebracht.
„Arten- und blütenreiche Wiesen und Weiden sind wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und viele weitere Tierarten. Doch solche Flächen werden immer seltener. Das Projekt 'Blütenvielfalt – RegioProD' setzt deshalb darauf, artenreiches Grünland durch eine geeignete Pflege langfristig zu erhalten und gleichzeitig neue artenreiche Wiesen zu entwickeln. Dabei soll möglichst Saatgut oder Direkterntematerial wie Mahdgut oder Wiesendruschmaterial aus der jeweiligen Region verwendet werden“, erläutert Projektmitarbeiterin Mascha Werth.
Artenreichtum aus der Region
Der LPV hat für das Projekt eine Praxisfläche eingerichtet, auf der unterschiedliche Verfahren zur Ansaat mit Direkterntematerial erprobt werden. Das Material stammt von einer besonders arten- und blütenreichen Wiese. Diese sogenannte Magere Flachland-Mähwiese zählt zu den in Deutschland geschützten Lebensräumen.
Dazu wurde auf einem Teil der Fläche Saatgut mit einem Mähdrescher gewonnen (Wiesendrusch), auf einem anderen Teil der Fläche wurde Heu gemacht. Bei schonender Verarbeitung enthält auch das Heu viele Samen, die genutzt werden können.
Die Waldwiese in der Gemarkung Orb weist bislang nur wenige verschiedene Pflanzenarten auf. Durch das Einbringen des regional gewonnenen Direkterntematerials soll sich die Artenvielfalt dort in den kommenden Jahren erhöhen und wieder artenreiches Grünland entstehen.
Viele helfende Hände im Einsatz
Bei der Aktion war Muskelkraft gefragt. Das mit einem Mähdrescher gewonnene Saatgut wurde auf herkömmliche Weise von Hand ausgesät. Zusätzlich wurden vorhandene Heuballen entrollt und das Heu mithilfe von Heugabeln und Rechen gleichmäßig auf der Fläche verteilt. Auf diese Weise gelangen Samen zahlreicher Wiesenpflanzen auf die neue Fläche.
An der Aktion beteiligten sich neben den Mitarbeitenden des LPV auch Mitarbeitende des Forstamts Jossgrund, das Eigentümer der Wiese ist, sowie Mitarbeitende des Fachbereichs Schutzgebietsmanagement beim Regierungspräsidium Darmstadt.
Ebenso unterstützten Dr. Sarah Harvolk-Schöning aus der Projektkoordination beim Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V. und weitere Interessierte die Arbeiten.
Lukas Rippl vom Forstamt Jossgrund lobte die gute Zusammenarbeit mit dem LPV und zeigte sich wie sein Kollege Matthias Fink vom Regierungspräsidium Darmstadt zuversichtlich, dass die Ansaat erfolgreich sein wird.
Auch Mascha Werth vom LPV freute sich über den erfolgreichen Verlauf der Aktion und die tatkräftige Unterstützung: „Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen gemeinsam anpacken, um die Artenvielfalt vor Ort zu fördern.“
Nach getaner Arbeit konnten sich alle Beteiligten bei Kaffee, Kuchen und Apfelsaft stärken. Dabei blieb auch Zeit für den fachlichen Austausch und weitere Informationen rund um die Ansaat von gebietseigenem Saatgut, Direkterntematerial und die Entwicklung artenreicher Wiesen.
Bei Fragen zum Projekt oder bei Interesse an einer Ansaat mit Direkterntematerial kann man sich an den LPV wenden (E-Mail oder Telefon 06059-906688).
HINTERGRUND
Landschaftspflegeverbände sind in einigen Landkreisen Hessens schon seit den 1980er und 1990er Jahren aktiv und als professionelle und erfolgreiche Akteure im Naturschutz anerkannt. Die drittelparitätische Vereinsstruktur eines Landschaftspflegeverbands als Zusammenschluss von Vertretern der Landwirtschaft, Naturschutzverbänden und Kommunen bildet dabei die Vertrauensbasis für eine erfolgreiche Arbeit. Um dieses „Miteinander“ im Naturschutz in ganz Hessen zu stärken, unterstützt die Landesregierung die Finanzierung von Landschaftspflegeverbänden. In Hessen gibt es mittlerweile 19 Landschaftspflegeverbände.
Der DVL ist der Dachverband der Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland und ist in Hessen mit einer Koordinierungsstelle vertreten, um die Arbeit der Landschaftspflegeverbände zu unterstützen. Die Verbände arbeiten deutschlandweit mit rund 15.000 landwirtschaftlichen Betrieben, darunter knapp 2.000 Schäfereien, für den Naturschutz eng zusammen. Über 3.900 Kommunen, 190 Landkreise und 47 kreisfreie Städte sind Mitglied eines Landschaftspflegeverbands. Die im DVL zusammengeschlossenen Verbände sind rechtlich selbstständig.
Das Projekt „Blütenvielfalt – RegioProD“ ist ein Verbundprojekt der Hochschulen Osnabrück und Anhalt, des Deutschen Verbands für Landschaftspflege, des Verbands deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. (VWW), der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sowie von Praxispartnern in den beteiligten Regionen. Ziel des Projekts ist, über die Bedeutung von gebietseigenem Material bei Begrünungen und Renaturierungsprojekten zu informieren und die Anwendung zu fördern. Das Projekt „Blütenvielfalt – RegioProD“ wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Das Teilprojekt in Hessen wird außerdem gefördert mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat.
Fotos @LPV MKK
Weitere Informationen
Veröffentlichung
Bild zur Meldung
Weitere Meldungen

Streuobstwissen für die Zukunft
Mi, 19. August 2026

Obstbaumbestellaktion 2026 startet am 1. August
Sa, 01. August 2026




