Streuobstwiesenpädagogik

Streuobstwiesen hatten im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine hohe kulturelle, soziale und landschaftsprägende Bedeutung. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Deshalb ist es wichtig, junge Menschen so früh wie möglich mit ihrer Bedeutung vertraut zu machen.

Der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis bietet in regelmäßigen Abständen pädagogische Fortbildungen an, um zu zeigen, wie man alle Altersgruppen für den Erhalt von Streuobstwiesen begeistern und das Wissen interessant vermitteln kann.

Das Intensiv-Fortbildungswochenende im August hat Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht: ErzieherInnen, LehrerInnen sowie Interessierte aus dem Obst- und Gartenbau und der Landwirtschaft, die ihre Obstwiesen pädagogisch nutzen möchten und solche, die sich einfach nur Anregungen holen wollten, um Kinder für die Natur zu sensibilisieren.

„Streuobstwiesen gibt es nur, weil der Mensch das so will und sich darum kümmert“, erklärten die Referentinnen Anika Hensel und Britta Hirt. Beide sind zertifizierte und erfahrene Umweltpädagoginnen und arbeiten seit 20 Jahren als Team zusammen.

Streuobstwiesen haben mit Klimawandel und Generationenwechsel zu kämpfen, wie die Expertinnen mitteilten. „Aber hier sieht es gut aus“, freuten sie sich über den ausgezeichneten Zustand des Streuobstgebietes „Langer Weg“ in Bad Orb.

„Wenn wir die Welt retten wollen, brauchen wir Menschen, die verstehen, was in der Natur abspielt“, verdeutlichte Anika Hensel, die Mitarbeiterin des Landschaftspflegeverbandes ist und dort unter anderem das Projekt Streuobst betreut. Sie gab zunächst Einblicke in die Geschichte und in die Pflege der Streuobstwiese, auf der bis zu 5000 Arten wachsen. Nach dem Wattenmeer ist sie das artenreichste Biotop.

Britta Hirt, pädagogische Leiterin im Streuobstzentrum MainÄppelHaus Lohrberg in Frankfurt, versorgte die Teilnehmenden mit Tipps für verschiedene Aktionen, um Zusammenhänge anschaulich darzustellen, zum Beispiel wie das „ökologische Netz“ funktioniert. „Wenn es zusammenfällt, hängt jeder mit drin“, machten die Kursleiterinnen deutlich. Die Teilnehmenden erfuhren auch, woran man „Lego-Baum“, „Farbwechselbaum“ und „Tigerbaum“ erkennt und welche Tricks Insekten parat haben, um nicht gefressen zu werden. Das Spiel „Verstecken, Entdecken“, eine Methode des weltweit bekanntesten Naturpädagogen Joseph Cornell, um den Bezug zur Natur zu intensivieren, fanden offensichtlich auch Erwachsene äußerst spannend. „Artenschutz hat viel mit Spaß zu tun“, betonte Anika Hensel. Und Britta Hirt ergänzte, dass es bei den umweltpädagogischen Spielen keine Konkurrenz gebe und nur gemeinsam ein Ziel verfolgt werde.

Am zweiten Tag lernten die Teilnehmenden verschiedene Methoden der Tierbeobachtung kennen. Da kann neben der Becherlupe auch ein Regenschirm eine wertvolle Hilfe sein, um Beobachtungsexemplare zu finden. Wegen Unwetterwarnungen zog die Gruppe für den letzten Teil der Fortbildung in das „Haus des Gastes“. Dort war zu erfahren, was an rechtlichen Anforderungen bei der Aufsichtspflicht zu beachten ist. Als praktische Übung stand zum Abschluss der Bau von Nisthilfen auf dem Programm. „Wir könnten sehr viel mehr machen, wenn nicht Corona wäre“, bedauerten die beiden Fachfrauen und gaben den Anwesenden einige Literaturempfehlungen mit auf den Weg. Am Ende bekamen sie viel positives Feedback für die vielen Anregungen und die freundliche und kommunikative Art. Großes Interesse besteht daran, das Gelernte weiter zu vertiefen. Streuobstwiesenpädagogik