Projekt „Jossgrund summt“  trägt Früchte: Trauerbiene gesichtet

14.07.2017

 

Jossgrund. „Jossgrund summt“ ist ein Kooperationsprojekt des Landschaftspflegeverbandes Main-Kinzig-Kreis, der Gemeinde Jossgrund und des Imkervereins Jossgrund. Im Vordergrund steht die naturnahe Begrünung und Pflege öffentlicher Flächen. Das Projekt wird angeleitet und begleitet von der Biologin und Expertin für Biodiversität im besiedelten Bereich, Monika Peukert vom Büro AnLand aus Frankfurt. Die Initiatoren freuen sich derzeit über neueste Erfolge.

 

In einer ersten Phase wurden im gesamten Gemeindegebiet Pilotflächen ausgewählt. Gemeindeeigenen Flächen wie Bushaltestellen oder Straßenbegleitgrün werden häufig gemäht und sind deshalb sehr blüten- und oft auch artenarm. Anders im Jossgrund: Die Bestandsaufnahme der Pilotflächen brachte erstaunliches zutage. Die meisten Flächen sind gar nicht artenarm, sie werden nur zu oft gemäht. Allein die kleine Wiese an der Fabrik in Oberndorf beherbergt über 40 Wiesenkräuter und -gräser. So genügt dort die Umstellung der Pflege, um aus einem langweiligen Rasen eine blühende Wiese zu machen. Durch die Veränderung der Pflege mit nur einem Mähgang im Jahr erhalten die Pflanzen die Chance zu blühen und auszusamen. Begrüßt wird das natürlich von den Imkern, deren Bienen im Sommer zusehends weniger Trachtpflanzen zum Sammeln von Nektar finden. Die Imker haben im Jossgrund über 100 Weidenbäumchen gepflanzt, um das Nahrungsangebot für Bienen zusätzlich zu erhöhen.

 

Weitere Interessengruppen waren schnell begeistert. So hat zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr Burgjoß das Beet vor dem Dorfgemeinschaftshaus von den meisten exotischen Pflanzen befreit und nach dem Pflanzkonzept von Monika Peukert mit heimischen Stauden neu angelegt. Hier kamen „Feuer- und Wasser“-Pflanzen zum Einsatz, wie die Brennende Liebe, das Brandkraut und der Wasserschneeball.

 

An der Kläranlage in Burgjoß war die ökologische Umgestaltung des Geländes schon lange geplant. Klärmeister Stefan Sachs erhielt von Monika Peukert Anregungen, die Wiese durch vermindertes Mähen blühen zu lassen. Eine Reihe monotoner Fichten wurden durch eine Wildobsthecke ersetzt.

Alle Projektflächen sind mit Schildern ausgestattet, um die Bürger auf das Projekt aufmerksam zu machen und die veränderte Pflege der Flächen zu erklären.

 

Zwar besuchen die Honig- und Wildbienen auch exotische Gartenpflanzen, den Pollen für ihre Brut gewinnen sie aber vor allem an heimischen Blütenpflanzen.

 

Auch etliche Bürger sind vom Projekt „Jossgrund summt“ infiziert. Sie lassen die Wiese im Garten wachsen und den Maulwurf in Ruhe. So konnte die zur Beratung herbeigerufene Monika Peukert auch schon einige spektakuläre Entdeckungen machen. Auf einer sonnigen Wiese an einem Haus mitten in Lettgenbrunn fand sie verschiedene Wildbienen  - darunter auch die seltene und in der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet gelistete Trauerbiene Melecta luctuosa an einem der wenigen Maulwurfshügel. Ein Fleckchen offener Boden ist kein Schaden, sondern trägt zur gewünschtenVielfalt bei. Viele Wildbienenarten bauen Erdnester an solchen offenen Bodenstellen und zum Vermörteln der Brutzellen sammeln sie Erde oder Lehm.  Die südexponierte Fundwiese mit ihren Maulwurfhügeln stellt sich nun als wahres Wildbienen-Eldorado dar. Und keine Angst vor Stichen: Die Wildbienen stechen ohnehin nur selten und ihr Stachel ist zu kurz, um die menschliche Haut zu durchdringen.

 

In der nächsten Projektphase werden besonders artenreiche Wiesen ausgewählt, deren Mähgut als Heumulch auf artenarme Wiesen ausgebracht werden soll. Während früher der Heuwagen mit der frischen Heuernte durch die Gemarkung fuhr und dabei unwillkürlich Samen verteilt hat, erlauben moderne Methoden durch das Hochdruckpressen von Ballen kein unbemerktes Ausbreiten des Saatgutes mehr – aus diesem Grund kommt nun der Heumulch zum Einsatz: Zur Samenreife wird die Spenderwiese schonend mit dem Balkenmäher gemäht, das Schnittgut getrocknet und zu kleinen Ballen gepresst. Nach entsprechender Vorbereitung kann das Heu dann auf den artenarmen Wiesen  ausgebracht werden, die reifen Samen fallen aus und keimen.

 

Mitmachen erwünscht:

Interessenten, die sich am Projekt „Jossgrund summt“ beteiligen und z.B. ihre artenarme Wiese mit Heumulch anreichern möchten, können sich an den Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis wenden.