Erzeuger gesucht: Vermarktung von Streuobst als Tafelobst

12.05.2017

 

Maintal-Hochstadt. Überraschend groß war das Interesse an dem Vortrag „Neue Chancen durch die Vermarktung von Streuobst als Tafelobst“ zu dem die Stadt Maintal, der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig-Kreis und der Arbeitskreis Streuobst Maintal in das Rathaus nach Hochstadt eingeladen hatten. Marion Buley koordiniert seit zwei Jahren eine Gruppe von Erzeugern, die Streuobstäpfel als Tafelobst vermarkten und berichtete nun über ihre Erfahrungen. Es werden weitere Erzeuger gesucht, die sich an der Aktion beteiligen wollen. Interessierte sollten sich noch im Mai melden.

 

Umweltberaterin Freia Klinkert-Reuschling und Barbara Fiselius, Geschäftsführerin des LPV, begrüßten über 50 Gäste im Sitzungssaal. „Sie haben sich sicherlich schon gefragt, ob die Nutzung von Streuobst als Tafelobst möglich ist. Vielleicht gehören auch Sie schon bald zu dem Kreis, der sein Streuobst als Tafelobst verkauft“, so Fiselius.

Auf die Frage der Referentin Marion Buley, wer denn Streuobstwiesen besitze, gingen fast alle Hände in die Höhe – die eigenen Äpfel als Tafelobst vermarktet haben dagegen bisher nur wenige.

Marion Buley berichtete, wie die Idee zur Streuobstvermarktung bei ihr entstanden ist.  „Vor zwei Jahren traf ich im Urlaub den Geschäftsführer eines bekannten Bio-Unternehmens und kam mit ihm ins Gespräch. Dabei kam mir der Gedanke, dass der Streuobstapfel ein tolles Produkt sein könnte. Es gibt eine große Vielfalt an alten Sorten und interessante Geschmacksrichtungen, die sich von dem Einheitsgeschmack abheben.“

Bald hatte sie den Bio-Unternehmer von ihrer Idee überzeugt, kurz darauf standen seine Einkäufer vor ihrer Tür und wollten die  Streuobstwiesen begutachten. Das war der Startschuss zur Vermarktung von Streuobst, das vorher überwiegend zur Saft- und Apfelweinproduktion verwendet wurde.

Laut Buley läuft der Absatz glänzend, die große Nachfrage könne nicht ausreichend befriedigt werden und deshalb würden dringend noch weitere Erzeuger gesucht werden. Zudem solle das Projekt demnächst nicht nur im Kahlgrund, sondern auch in weiteren Orten durchgeführt werden.  „Der Verkauf von Tafelobst ist ökonomisch sehr viel interessanter als die Nutzung als Kelterobst“, so Buley.

Daher war die Veranstaltung auch darauf ausgerichtet, Interessenten anzusprechen, die ebenfalls ihr Obst als Tafelobst vermarkten wollen und zudem eine fachliche Beratung anzubieten. Die Planung für die kommende Saison läuft bereits intensiv, weitere Erzeuger sollten sich im Mai entschließen, ob sie mitmachen möchten.

Es gilt einiges zu beachten: „Manche Sorten sind den Verbrauchern unbekannt, sie sind oft süßere Äpfel gewohnt und müssen die vielfältigen Geschmacksqualitäten von Streuobst wieder neu erfahren lernen.  Für den Verkauf als Tafelobst ist die optische Qualität wichtig“, berichtete Buley. Auch sind bestimmte Richtlinien zur Größe, für Lagerung, Transport und Verpackungsmaterialien relevant.  Die Erzeuger erhalten hierbei eine gute Schulung.

Die Äpfel im Projekt sind bio-zertifiziert. Bislang wurden vor allem Äpfel der Streuobstagentur Schlaraffenburger (Sitz in Mömbris) vermarktet. Im Jahr 2015 fand die erste Präsentation in einer bekannten Supermarkt-Kette im Kahlgrund statt und traf auf positive Resonanz: „Wir bekamen sehr gutes Feedback“, so Buley. Die Leute seien begeistert gewesen von der Geschmacksvielfalt.

Die Referentin erläuterte den vielen Interessenten die Schritte für eine erfolgreiche Vermarktung, zu der unter anderem die frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Handel (ca. ein Jahr im Voraus),  die Klärung der Lieferzeiten, Mengen, Preise und Verpackung (muss im Mai gemeldet werden) gehören.

„Zunächst sollte man abklären, welche Sorte man als Tafelobst anbieten möchten und – wenn nötig – auch eine Sortenbestimmung an den Apfelbäumen durchführen lassen“, erklärte Buley. 

„Dann kommt es natürlich auf das Ernteverfahren zum richtigen Zeitpunkt an, Pflück- und Genussreife müssen beachtet, Druckstellen vermieden und nur optisch einwandfreie Äpfel gesammelt werden.“ Ihr Tipp: „Der Apfel hat die richtige Qualität, wenn er so gut aussieht, dass man selbst sofort reinbeißen möchte!“

Wer sich an der Aktion beteiligen und sein Streuobst als Tafelobst vermarkten möchte sollte sich bis Ende Mai bei Marion Buley, E-Mail buley@spessartregional.de  oder dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis,  Telefon 06059/906688, melden.